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Home Office 2020 - Was haben sie nicht alle gesagt…

•    „Uns ist es wichtig, dass Sie vor Ort präsent sind – als Ansprechpartner für Ihre Mitarbeiter und für die Kollegen aus anderen Abteilungen.“
•    „Dann müssten wir Ihnen ja einen PC und die komplette Infrastruktur zuhause zur Verfügung stellen. Wie soll das gehen?“
•    „Wenn wir Ihnen das erlauben, dann hätte ja jeder ein Recht darauf!“
•    „Das liegt außerhalb unserer Vorstellungsmöglichkeit, das müssen Sie verstehen.“

Sie müssen das verstehen! Bis heute klingt dieser Satz, den ich viel zu oft in Festanstellung zu hören bekommen habe, in mir nach. Nein, ich wollte und ich konnte nicht verstehen, warum sich Geschäftsführer, Personaler und Abteilungsleiter des 21. Jahrhunderts immer noch vehement dagegen sträubten, ihren Mitarbeitern Home Office zu ermöglichen.
Effektives Arbeiten ohne Unterbrechungen, an einer Sache dran bleiben können, ohne dass einer die Tür herein kommt, einen Text ausformulieren, ohne dass fünf Mal das Telefon klingelt.
Während ich beim Stichwort Home Office vor allem an die Effizienz des Arbeitens dachte, spielten sich in den Köpfen meiner Vorgesetzten wohl eher Horrorszenarien ab. Was, wenn Sie gar nicht arbeitet, sondern stattdessen TV schaut? Was, wenn Sie die Spülmaschine ausräumt und die Wäsche anschaltet anstatt das Textkonzept für die Webseite zu erarbeiten? Was, wenn Sie einfach bis mittags im Bett liegen bleibt und nichts schafft?

Doch dann die Kehrtwende. 2020. Durch und nicht zuletzt dank COVID 19, besser bekannt als Corona-Virus.  Und jetzt – geht es auf einmal - Muss es gehen! Angeordnetes Home Office. Über alle Ebenen hinweg.  In vielen Branchen. Deutschlandweit. Europaweit. Weltweit.
Per Laptop, hauseigenem PC, am Schreibtisch im Wohnzimmer, Schlafzimmer oder am Küchentisch.
Man müsste lachen, wenn die Lage nicht so ernst wäre.
Ich hoffe und bete dafür, dass die Chefs jetzt ein Einsehen haben. Flexible Arbeitszeiten und Home Office schon bald dem normalen Berufsalltag angehören. Nicht für jeden – nicht an jedem Tag. Aber immer wenn es möglich und sinnvoll ist.
Aber ich fürchte schon jetzt die Stimmen der Traditionalisten…
„Das war eine Ausnahmesituation… jetzt wollen wir Sie wieder hier vor Ort haben…“

Und dennoch bleibt die Hoffnung, dass die lautstarken Stimmen gehört werden.
•    Die Stimmen für mehr Flexibilität am Arbeitsplatz!
•    Die Stimmen für mehr Home Office!
•    Die Stimmen für mehr Vertrauen am Arbeitsplatz!
•    Die Stimmen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf!
•    Die Stimmen für mehr Umweltschutz, denn nicht zuletzt spart jeder nicht gefahrene Kilometer eines Pendlers zur Arbeit an jedem Home Office Tag eine Menge CO2 ein.

Petra Lahnstein M.A.
Autorin und Wohlbefinden-ins-Unternehmen-Bringerin

Charakterstark

„Ich bin eben nicht so mutig wie du!“, „Ich kann nichts dafür, dass ich so nachtragend bin!“, „Ich würde gerne ernsthafter an einer Sache dran bleiben, aber ich schaffe es nicht!“, „So bin ich halt!“
Kennen Sie solche Sätze? Von sich oder anderen? Worte, die erklären, warum man tut, was man tut, warum man ist, wie man ist und warum man nicht anders handelt, als man handelt?
Aber ist es wirklich so? Haben wir keinen Einfluss darauf, ob wir ein tugendhafter Mensch sind oder ein Charakterschwein? Sind gute und schlechte Charaktereigenschaften wirklich angeboren?
Die Antwort hierauf ist einfach: Nein! Experten sind sich einig: Jeder kann seinen Charakter gezielt verändern! Heißt im Klartext: Wer fürsorglicher, freundlicher oder toleranter sein will, kann es werden!
 „Wir bestimmen die Ausbildung unseres Charakters durch unsere Steuerzentrale und den dieser zugrunde liegenden frontokortikalen Nervenzellsystemen selbst entscheidend mit“, betont Gunther Moll, Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.
Mit dem Charaktertest „Values in Action-Inventory of Strengths“ (VIA-IS), konzipierten Seligman und Peterson, Vorreiter des relativ jungen Fachbereichs der Positiven Psychologie, ein Instrument zur Klassifizierung von (Charakter) Stärken. Hinter den 24 wichtigsten Charakterstärken, die jeder Mensch mehr oder minder stark ausgeprägt in sich trägt,  stehen die sechs Grund-Tugenden: Weisheit und Wissen, Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Transzendenz.
Weil es laut Forschern einen klaren Zusammenhang zwischen Charakterstärken und Lebenszufriedenheit gibt, lohnt sich ein Blick auf den eigenen Charakter allemal. (Einen Test gibt es hier: www.charakterstaerken.org)  Die Universität Zürich hat zahlreiche Übungen zur Stärkung von Charaktereigenschaften entwickelt. (https://www.staerkentraining.ch)
Mein Tipp: Reinlesen, ausprobieren, mitmachen, Charakter einfach stärken!

Petra Lahnstein

Die Teilzeit-Lüge

„Und, wann gehst Du wieder arbeiten?“ Diese Frage hat sicher jede junge Mutter schon einmal gestellt bekommen. Schon in der dreijährigen Elternzeit steigen viele bereits stundenweise wieder in ihren alten Job ein. Doch wehe, das Ende der Elternzeit ist in Sicht – dann wollen Arbeitgeber häufig nichts mehr von einer Teilzeitbeschäftigung wissen.
Der Staat schützt junge Mütter mögen Sie jetzt denken? Es gibt doch da ein Gesetz, das eine Kündigung unmittelbar nach der Elternzeit unmöglich macht. Ja und Nein. Es gibt Gesetze, die einen vor einer Kündigung schützen sollen, sobald man mitgeteilt hat, dass man schwanger ist und Elternzeit beantragt. Es gibt auch ein Gesetz, das einen schützen soll, damit man nicht direkt nach dem Ende der Elternzeit gekündigt wird. Aber es gibt meines Wissens nach kein Gesetz, das einen vor einer Kündigung schützt, wenn man nach der Elternzeit Teilzeit beantragt.
Letzteres habe ich bei Bekannten und Freunden nun schon mehrfach erlebt. Wenn man nicht gerade als Lehrer oder Beamter bei einer Behörde arbeitet, wird einem nur selten die Teilzeit gewährt. Da werden einem Jobs angeboten, die den eigenen Qualifikationen nicht entsprechen. Jobs, die sich mit den Zeiten von Kita und Kindergarten nicht vereinbaren lassen. Oder aber es wird klipp und klar gesagt: „Vollzeit ja – Teilzeit nein“.
Besonders schwer eine Teilzeitstelle zu bekommen ist es für Menschen in besser bezahlten Jobs und Positionen mit Führungsverantwortung. Oder wie viele Projektleiter, Manager und Abteilungsleiter kennen Sie, die in Teilzeit arbeiten? Noch dazu, wenn sie kleine Kinder haben?
„Mitarbeiter, die in Teilzeit arbeiten, sind erwiesener maßen wesentlich motivierter und produktiver. Davon profitieren auch Unternehmen”, weiß der renommierte Experte für Zeitmanagement, Lothar Seiwert. Nur leider wissen das viele Chefs und Personalverantwortliche nicht. Schade. Da kann man denen nur wünschen, dass Sie selbst mal Kinder bekommen. Vielleicht erkennen Sie dann,  wie lebensnotwendig und wertvoll es für viele junge Familien und alleinerziehende Elternteile ist, nach der Elternzeit ein paar Jahre in Teilzeit arbeiten zu können. 

Petra Lahnstein

Aus der Reihe tanzen

„Lass dein altes Leben hinter dir und geh durch diese neue Tür. Das geht raus an alle Spinner, wir sind die Gewinner. Wir kennen keine Limits - ab heute - für immer. Das geht raus an alle Spinner, weil alles ohne Sinn wär, ohne Spinner wie dich und mich.“ Wenn das Lied von Revolverheld im Radio läuft, kann man gar nicht anders als grinsen.
Nun, vielleicht fühlt sich nicht jeder unter dem Begriff „Spinner“ angesprochen. Aber steckt nicht in jedem von uns ein bisschen davon.
Wollen Sie nicht auch mal wieder etwas Außergewöhnliches, etwas Unkonventionelles machen. Einfach etwas, dass man von Ihnen nicht erwarten würde?

  • Mit Anlauf in eine Pfütze springen?
  • Im Wartezimmer das Micky Mouse- Heft lesen
  • Mit einem Faschings-Hut spazieren gehen?
  • Einen fremden Menschen auf der Straße umarmen?
  • Ihren Kleidungsstil für einen Tag vollständig auf den Kopf stellen?
  • Einen Trommelkurs besuchen?
  • Endlich mit dem Theater spielen anfangen?
  • Einen bunten Kinderkuchen backen und den Kollegen mitbringen?
  • Ihr Hobby zum Beruf machen?

Ich bin sicher, dass Ihnen jede Menge kleiner Dinge einfallen, die Sie schon immer einmal machen wollten, Äußerungen, die sie schon immer mal loswerden wollen. Seien sie so, wie Sie „eigentlich“ gerne wären. Überraschen Sie sich selbst und andere. Freuen Sie sich über das Gefühl und lächeln Sie über hochgezogene Augenbrauen, erstaunte Blicke und das Getuschel der anderen. Tanzen Sie doch mal wieder aus der Reihe, fallen Sie aus dem Rahmen, springen Sie aus der Schublade, in die andere Sie gerne stecken würden. Ich wünsche Ihnen viel Spaß dabei. Petra Lahnstein

Petra Lahnstein

Was sind Werte heute noch wert?

  • Alle stöhnen über die kalten Temperaturen.
  • Einige diskutieren noch immer über den Bundespräsidenten.
  • Andere präsentieren die bunten Faschingsveranstaltungen der Region.

Nichts Außergewöhnliches. Die Medien machen ihren Job:  Über Aktuelles berichten, Anregungen geben, Meinungsbildner sein, nah am Leser dran sein. Aber dann schockieren mich zwei kleine Nachrichten. Klein, weil die Meldungen nur kurz und knapp und nach einem Tag scheinbar nicht mehr erwähnenswert sind. Doch beschäftigen sie mich auch noch nach mehreren Tagen.
Meldung eins: Die Deutsche Bank bietet spannende Todeswetten an: Je früher 500 US-Senioren sterben, umso lukrativer ist der Fonds "Kompass Life 3".
Bitte was? Die Deutsche Bank bietet Todeswetten an? Ich recherchiere ein wenig zu dem Thema und muss erfahren, dass „Produkte, bei denen der Tod eines Menschen eine Rolle spielt“ nichts Ungewöhnliches sind. Dies sei beispielsweise im sogenannten „Zweitmarkt“ für Lebensversicherungen der Fall. „Wer seine Lebensversicherung vorzeitig kündigen will, kann hier oft mehr Geld dafür bekommen als wenn er sie der Versicherung zurück verkauft. Der Käufer übernimmt in diesem Fall die Prämienzahlung bis zum ursprünglich vereinbarten Zeitpunkt. Dementsprechend steigt sein Gewinn, falls der Mensch, auf den die Police ausgestellt ist, früher stirbt und die Ausschüttung früher erfolgt.“  Mir fällt für das Ganze nur ein Wort ein: unmoralisch.
Dann lese ich Meldung zwei: Ungarische Behörden haben einen Betrugsversuch um eine angebliche Vermisste auf der "Costa Concordia" aufgedeckt. Angehörige hatten auf Schadensersatz gehofft und eine Frau als vermisst gemeldet, die bereits seit drei Jahren tot war.
Ein Kreuzfahrtschiff sinkt, mehr als 15 Menschen sterben, 20 werden noch bis heute vermisst. Eine Umweltkatastrophe, die durch das austretende Öl befürchtet wird. Das alles ist noch nicht schlimm genug? Da gibt es Menschen, die in so einer Situation Werte, Moral und ethische Grundsätze vergessen?
Ich bin sprachlos und traurig und frag mich: Was sind Werte heute noch wert?     

Petra Lahnstein