Charakterstark

„Ich bin eben nicht so mutig wie du!“, „Ich kann nichts dafür, dass ich so nachtragend bin!“, „Ich würde gerne ernsthafter an einer Sache dran bleiben, aber ich schaffe es nicht!“, „So bin ich halt!“
Kennen Sie solche Sätze? Von sich oder anderen? Worte, die erklären, warum man tut, was man tut, warum man ist, wie man ist und warum man nicht anders handelt, als man handelt?
Aber ist es wirklich so? Haben wir keinen Einfluss darauf, ob wir ein tugendhafter Mensch sind oder ein Charakterschwein? Sind gute und schlechte Charaktereigenschaften wirklich angeboren?
Die Antwort hierauf ist einfach: Nein! Experten sind sich einig: Jeder kann seinen Charakter gezielt verändern! Heißt im Klartext: Wer fürsorglicher, freundlicher oder toleranter sein will, kann es werden!
 „Wir bestimmen die Ausbildung unseres Charakters durch unsere Steuerzentrale und den dieser zugrunde liegenden frontokortikalen Nervenzellsystemen selbst entscheidend mit“, betont Gunther Moll, Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.
Mit dem Charaktertest „Values in Action-Inventory of Strengths“ (VIA-IS), konzipierten Seligman und Peterson, Vorreiter des relativ jungen Fachbereichs der Positiven Psychologie, ein Instrument zur Klassifizierung von (Charakter) Stärken. Hinter den 24 wichtigsten Charakterstärken, die jeder Mensch mehr oder minder stark ausgeprägt in sich trägt,  stehen die sechs Grund-Tugenden: Weisheit und Wissen, Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Transzendenz.
Weil es laut Forschern einen klaren Zusammenhang zwischen Charakterstärken und Lebenszufriedenheit gibt, lohnt sich ein Blick auf den eigenen Charakter allemal. (Einen Test gibt es hier: www.charakterstaerken.org)  Die Universität Zürich hat zahlreiche Übungen zur Stärkung von Charaktereigenschaften entwickelt. (https://www.staerkentraining.ch)
Mein Tipp: Reinlesen, ausprobieren, mitmachen, Charakter einfach stärken!

Petra Lahnstein

Die Teilzeit-Lüge

„Und, wann gehst Du wieder arbeiten?“ Diese Frage hat sicher jede junge Mutter schon einmal gestellt bekommen. Schon in der dreijährigen Elternzeit steigen viele bereits stundenweise wieder in ihren alten Job ein. Doch wehe, das Ende der Elternzeit ist in Sicht – dann wollen Arbeitgeber häufig nichts mehr von einer Teilzeitbeschäftigung wissen.
Der Staat schützt junge Mütter mögen Sie jetzt denken? Es gibt doch da ein Gesetz, das eine Kündigung unmittelbar nach der Elternzeit unmöglich macht. Ja und Nein. Es gibt Gesetze, die einen vor einer Kündigung schützen sollen, sobald man mitgeteilt hat, dass man schwanger ist und Elternzeit beantragt. Es gibt auch ein Gesetz, das einen schützen soll, damit man nicht direkt nach dem Ende der Elternzeit gekündigt wird. Aber es gibt meines Wissens nach kein Gesetz, das einen vor einer Kündigung schützt, wenn man nach der Elternzeit Teilzeit beantragt.
Letzteres habe ich bei Bekannten und Freunden nun schon mehrfach erlebt. Wenn man nicht gerade als Lehrer oder Beamter bei einer Behörde arbeitet, wird einem nur selten die Teilzeit gewährt. Da werden einem Jobs angeboten, die den eigenen Qualifikationen nicht entsprechen. Jobs, die sich mit den Zeiten von Kita und Kindergarten nicht vereinbaren lassen. Oder aber es wird klipp und klar gesagt: „Vollzeit ja – Teilzeit nein“.
Besonders schwer eine Teilzeitstelle zu bekommen ist es für Menschen in besser bezahlten Jobs und Positionen mit Führungsverantwortung. Oder wie viele Projektleiter, Manager und Abteilungsleiter kennen Sie, die in Teilzeit arbeiten? Noch dazu, wenn sie kleine Kinder haben?
„Mitarbeiter, die in Teilzeit arbeiten, sind erwiesener maßen wesentlich motivierter und produktiver. Davon profitieren auch Unternehmen”, weiß der renommierte Experte für Zeitmanagement, Lothar Seiwert. Nur leider wissen das viele Chefs und Personalverantwortliche nicht. Schade. Da kann man denen nur wünschen, dass Sie selbst mal Kinder bekommen. Vielleicht erkennen Sie dann,  wie lebensnotwendig und wertvoll es für viele junge Familien und alleinerziehende Elternteile ist, nach der Elternzeit ein paar Jahre in Teilzeit arbeiten zu können. 

Petra Lahnstein

Aus der Reihe tanzen

„Lass dein altes Leben hinter dir und geh durch diese neue Tür. Das geht raus an alle Spinner, wir sind die Gewinner. Wir kennen keine Limits - ab heute - für immer. Das geht raus an alle Spinner, weil alles ohne Sinn wär, ohne Spinner wie dich und mich.“ Wenn das Lied von Revolverheld im Radio läuft, kann man gar nicht anders als grinsen.
Nun, vielleicht fühlt sich nicht jeder unter dem Begriff „Spinner“ angesprochen. Aber steckt nicht in jedem von uns ein bisschen davon.
Wollen Sie nicht auch mal wieder etwas Außergewöhnliches, etwas Unkonventionelles machen. Einfach etwas, dass man von Ihnen nicht erwarten würde?

  • Mit Anlauf in eine Pfütze springen?
  • Im Wartezimmer das Micky Mouse- Heft lesen
  • Mit einem Faschings-Hut spazieren gehen?
  • Einen fremden Menschen auf der Straße umarmen?
  • Ihren Kleidungsstil für einen Tag vollständig auf den Kopf stellen?
  • Einen Trommelkurs besuchen?
  • Endlich mit dem Theater spielen anfangen?
  • Einen bunten Kinderkuchen backen und den Kollegen mitbringen?
  • Ihr Hobby zum Beruf machen?

Ich bin sicher, dass Ihnen jede Menge kleiner Dinge einfallen, die Sie schon immer einmal machen wollten, Äußerungen, die sie schon immer mal loswerden wollen. Seien sie so, wie Sie „eigentlich“ gerne wären. Überraschen Sie sich selbst und andere. Freuen Sie sich über das Gefühl und lächeln Sie über hochgezogene Augenbrauen, erstaunte Blicke und das Getuschel der anderen. Tanzen Sie doch mal wieder aus der Reihe, fallen Sie aus dem Rahmen, springen Sie aus der Schublade, in die andere Sie gerne stecken würden. Ich wünsche Ihnen viel Spaß dabei. Petra Lahnstein

Petra Lahnstein

Was sind Werte heute noch wert?

  • Alle stöhnen über die kalten Temperaturen.
  • Einige diskutieren noch immer über den Bundespräsidenten.
  • Andere präsentieren die bunten Faschingsveranstaltungen der Region.

Nichts Außergewöhnliches. Die Medien machen ihren Job:  Über Aktuelles berichten, Anregungen geben, Meinungsbildner sein, nah am Leser dran sein. Aber dann schockieren mich zwei kleine Nachrichten. Klein, weil die Meldungen nur kurz und knapp und nach einem Tag scheinbar nicht mehr erwähnenswert sind. Doch beschäftigen sie mich auch noch nach mehreren Tagen.
Meldung eins: Die Deutsche Bank bietet spannende Todeswetten an: Je früher 500 US-Senioren sterben, umso lukrativer ist der Fonds "Kompass Life 3".
Bitte was? Die Deutsche Bank bietet Todeswetten an? Ich recherchiere ein wenig zu dem Thema und muss erfahren, dass „Produkte, bei denen der Tod eines Menschen eine Rolle spielt“ nichts Ungewöhnliches sind. Dies sei beispielsweise im sogenannten „Zweitmarkt“ für Lebensversicherungen der Fall. „Wer seine Lebensversicherung vorzeitig kündigen will, kann hier oft mehr Geld dafür bekommen als wenn er sie der Versicherung zurück verkauft. Der Käufer übernimmt in diesem Fall die Prämienzahlung bis zum ursprünglich vereinbarten Zeitpunkt. Dementsprechend steigt sein Gewinn, falls der Mensch, auf den die Police ausgestellt ist, früher stirbt und die Ausschüttung früher erfolgt.“  Mir fällt für das Ganze nur ein Wort ein: unmoralisch.
Dann lese ich Meldung zwei: Ungarische Behörden haben einen Betrugsversuch um eine angebliche Vermisste auf der "Costa Concordia" aufgedeckt. Angehörige hatten auf Schadensersatz gehofft und eine Frau als vermisst gemeldet, die bereits seit drei Jahren tot war.
Ein Kreuzfahrtschiff sinkt, mehr als 15 Menschen sterben, 20 werden noch bis heute vermisst. Eine Umweltkatastrophe, die durch das austretende Öl befürchtet wird. Das alles ist noch nicht schlimm genug? Da gibt es Menschen, die in so einer Situation Werte, Moral und ethische Grundsätze vergessen?
Ich bin sprachlos und traurig und frag mich: Was sind Werte heute noch wert?     

Petra Lahnstein

Zuckerfrei - kein Problem?

  • Sie essen jeden Tag Zucker oder Nahrungsmittel, denen Zucker zugesetzt wurde?
  • Sie trinken häufig gesüßte Getränke und Kaffee nie ohne Zucker?
  • Ihre Laune verschlechtert sich, wenn sie sie ihre tägliche Zuckerdosis nicht bekommen?
  • Sie haben immer Schokoriegel, Gummibärchen, Eis oder sonstige Süßigkeiten zuhause griffbereit?
  • Ihre Konzentration lässt nach, wenn sie nicht regelmäßig Zucker zu sich nehmen?
  • Wenn Sie Schokolade oder Kekse essen, dann bleibt es nie bei einem Rippchen oder einem Keks – sie müssen immer die halbe oder gar die ganze Packung auffuttern?
  • Sie frühstücken immer süß und verzichten ungern auf ein Stück Kuchen oder einen Schokoriegel am Nachmittag?
  • Sie belohnen und trösten sich mit Süßigkeiten?

Dann sind sie möglicherweise süchtig nach Zucker! Während die Existenz der Zuckersucht viele Jahre umstritten war, wurde im April 2016 eine Studie veröffentlicht, die die Existenz der Zuckersucht eindeutig nachweist. Sie sind nicht betroffen? Auf keinen Fall? Ihre Müdigkeit,  depressiven Verstimmungen, Darmprobleme, Hautirritationen, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und Ihr Übergewicht haben ganz sicher andere Gründe?
Prima! Aber vielleicht möchten Sie es doch lieber mal testen? Verzichten Sie eine Woche auf alle künstlich zugesetzen Zucker: keine Süßigkeiten, kein Gebäck, kein Eis, keine Desserts, keine Softdrinks, keine Fertigprodukte, kein Fastfood. Ja, auch keine Gewürzgurken und kein Ketchup. Können Sie problemlos ohne Heißhunger, Kopfschmerzen, Müdigkeit, schlechte Laune, Gereiztheit, Traurigkeit, Kraftlosigkeit und Konzentrationsprobleme durchhalten? Dann gratuliere ich Ihnen von Herzen! Für alle anderen wird es schwieriger. Denn der Weg aus der Zuckersucht ist alles andere als leicht. Aber, und das ist die gute Nachricht: Er ist möglich! Fortsetzung der Kolumne und Tipps zum Thema folgen!

Petra Lahnstein  

Lesetipps: www.zentrum-der-gesundheit.de , Dr. med. O. Bruker „Zucker, Zucker“, Damon Gameau „Voll verzuckert“, Hannah Frey „Zuckerfrei – Die 40 Tage Challenge“.

Los jetzt!

„Nur acht Prozent der Deutschen machen regelmäßig Sport!“ Mit dieser Aussage machte mich vor wenigen Tagen eine Ausbilderin des Landessportbundes Rheinland sprachlos. „Das kann nicht sein!“ Mit offenem Mund und weit geöffneten Augen, entgegnete ich ihr meine Fassungslosigkeit. Niemals! Nicht in Zeiten, in denen alle Medien darüber berichten, wie wichtig Sport und Bewegung für die Gesundheit sind. Nicht in Zeiten, in denen es an jeder Ecke ein Fitnessstudio gibt.  Nicht in Zeiten, in denen die Menschen immer mehr zum eigenen Gesundheitsexperten werden und sich selbst informieren, was sie tun können, um bis ins hohe Alter gesund zu bleiben. Was sie essen sollten, wie sie ihren Stress reduzieren können, welche alternativen Heilmethoden es gibt. Zeiten, in denen Menschen die Einnahme von Tabletten und die Notwendigkeit von Operationen hinterfragen. Niemals ist die Zahl derer, die regelmäßig Sport macht so gering.
Ich habe noch den Sportdress an, als ich zuhause sofort den PC einschalte und recherchiere. Schnell werde ich auf statista.com fündig.
Eine Grafik zeigt die Häufigkeit der sportlichen Betätigungen der Deutschen in 2016 an. Immerhin 10,3 Millionen geben an, mehrmals wöchentlich Sport zu machen. Das nicht acht, aber auch 12,5 Prozent! Fast gleichzeitig lese ich, dass 42 Prozent aller Deutschen regelmäßig Video- oder Computerspiele zocken. Das sind rund 30 Millionen Bundesbürger! Das kann doch nur eine Fake-News sein, oder?
Hallo? Sport stärkt das Immunsystem, hält das Herz-Kreislauf-System fit und kann einer Vielzahl von Krankheiten vorbeugen. Regelmäßiges Ausdauertraining kräftigt die Herzmuskulatur, senkt Bluthochdruck bzw. lässt ihn gar nicht erst entstehen und schüttet glücklich machende Endorphine aus. Sportliches Training senkt den Cholesterinspiegel und kann so Folgeerkrankungen wie Arteriosklerose, Schlaganfall oder Herzinfarkt vorbeugen. Beim Joggen, Walken und Wandern wird die Knochendichte verstärkt und damit das Osteoporose-Risiko gesenkt. Sport durchblutet das Gehirn und macht uns geistig fitter und ganz abgesehen davon, hält es uns auch schlank. Was ist los da draußen? Wie viele Gründe braucht ihr noch? Los jetzt!

Petra Lahnstein

Mobilität schenken

Ich rate ja gerne dazu, statt teurer Dinge lieber Zeit zu verschenken.  In diesen Tagen kam bei einem  Spaziergang zwischen Feldern und Wäldern ein ganz neuer Gedanke hinzu. Ich zog mir gerade die Mütze etwas tiefer über meine kalten Ohren, als ich von hinten ein Auto auf dem Feldweg hörte. Ich unterbrach meinen schnellen Schritt, ging zur Seite und schaute dem Auto entgegen. Obwohl ich dem Fahrer freundlich winkte, kam das Auto nur im Schritttempo auf mich zu. Also setzte ich meinen Mittagspausen-Spaziergang mit schnellen Schritten fort. Erst nach gefühlten fünf Minuten war das Auto auf meiner Höhe. Wieder blieb ich stehen und forderte den Fahrer auf, zügig an mir vorbeizufahren. Aber statt aufs Gas trat der Fahrer auf die Bremse und ließ die Scheibe herunter. In dem Auto saß ein älteres Pärchen. Der Senior lächelte mich freundlich an und sagte: „Wir möchten gar nicht schnell an Ihnen vorbei, wir wollen die Landschaft in Ruhe genießen. Laufen können wir nicht mehr so gut, daher sind wir mit dem Auto unterwegs.“
Den gesamten Rest der Strecke musste ich darüber nachdenken. Natürlich ist es nicht erlaubt, mit dem Auto über Feldwege zu fahren. Natürlich wäre es nicht gut, wenn die Natur überall durch Autoabgase belastet werden würde. Und trotzdem:  Jeder, der durch eine OP an Fuß, Knie oder Hüfte schon einmal in der Bewegung eingeschränkt war, weiß, wie es sich anfühlen muss, nicht einfach dorthin gehen zu können, wo man hin will und vor allem, wo es schön ist.
Viele Kommunen in der ländlichen Region machen sich Gedanken darüber, wie sie mehr Mobilität für Senioren erreichen können. Bessere Busverbindungen, Wiederbelebung von Bahnstrecken und Sammeltaxis sind dabei die zentralen Stichworte. Mehr Mobilität im Alltag und für den Alltag – das ist eine wichtige Aufgabe. Aber wie sieht es mit mehr Mobilität in der Freizeit aus? Wie können wir Menschen, die nicht mehr so gut laufen können, die keinen Führerschein besitzen oder nicht mehr fahren wollen/sollen ein bisschen Mobilität schenken?
 Sie wollen in die Stadt zum Weihnachtsmarkt? Warum fragen Sie Ihre Tante nicht, ob Sie sie mit in die Stadt nehmen sollen? Sie planen eine Fahrt mit der Bummelbahn mit den Kindern rund um die Straußenfarm? Vielleicht wäre das auch etwas für Ihren Opa? Sie planen einen Ausflug an den Rhein und haben noch einen Sitzplatz frei?
Ich bin sicher, Ihnen fallen da noch viele weitere Möglichkeiten ein!

Petra Lahnstein